| Kalte
Rosen - Leseprobe
Etwas Fremdes beherrschte den Raum. Ein Geruch, ein
Gefühl. Nichts Greifbares. Camila wusste nicht,
was sie geweckt hatte, wagte nicht, sich zu bewegen,
die Augen zu öffnen. Alle Instinkte signalisierten
Flucht, aber sie horchte reglos in die Dunkelheit. Plötzlich
erkannte sie den Geruch, der sauer und stechend im Raum
hing: Angst. Fremde Angst.
Sie konnte nicht denken, nur fühlen, wie ihr Herz
hämmerte und gegen die Rippen schlug. Das Blut
dröhnte in ihren Ohren. Ihr Körper war starr,
jeder Muskel, jede Sehne war angespannt, steif und vibrierend
vor Angst. An ihren Füßen bewegte sich kaum
wahrnehmbar die Matratze. Camila öffnete die Augen.
Die Gestalt saß am Fußende des Bettes, ein
schwarzer Schatten vor dem hellen Rechteck des Fensters.
»Endlich bist du wach.« Seine rechte Hand
lag locker
auf dem Laken und hielt ein Messer, dessen Klinge silbrig
schimmerte.
»Was wollen Sie?« Camila setzte sich auf.
Wie Eis
sickerte das Bewusstsein in ihre Knochen, dass dies
kein Traum war.
»Dich.«
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Hamburg, Argument, Mai 2005, 256
S.
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